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Fr 25.09.2015 18:00 - Treffpunkt O5 Flugmotoren-Produktion im BMW-Werk "Dürrerhof"
Viele "alte" Eisenacher könnten auf Nachfrage etwas über den "Dürrerhof" erzählen.
Leider bleiben dann vertiefende Nachfragen unbeantwortet, weil ja "alles geheim" war, damals im Krieg und auch danach.

Diktaturen jeglicher Art haben halt ein gestörtes Verhältnis zur geschichtlichen Wahrheit.

Wenn es über geheimnisvolle Vorgänge nur wenige Informationen gibt, dann ergibt sich ein auch ein breites Feld für Verschwörungstheoretiker aller Couleur.

Noch wenige Stunden vor dem denkwürdigen Vortrag von Dipl.-Ing. Eberhard Spee versicherte mir ein Wissender beim Mittagessen, dort (Dürrerhof) haben viele Gebäude 4 bis 5 unterirdische Etagen gehabt und wenn man dort gräbt, "da liegt noch allerhand".

Ich darf Entwarnung geben, der Spaten kann zu Hause bleiben.

Der Treffpunkt O5 war gut besucht wie nie zuvor - der angekündigte Vortrag von Eberhard Spee "BMW Flugmotoren aus Eisenach / Dürrerhof" hat viele Zuhörer angelockt, darunter auch Fred Jakobs (BMW Group Classic), der einige Fotos für den Vortrag beisteuerte.

Eberhard Spee konnte für seinen Vortrag auch auf einen "Schatz" aus dem Fundus von Michael Stück (✝ 02.02.2014) zurückgreifen. Der Flugmotorenschlosser-Lehrling Walter Meißner hat über 3 1/2 Jahre Lehrzeit akribisch in Wochenberichten dokumentiert, wie die Ausbildung ablief.
Aus diesen Unterlagen ist viel ersichtlich über die Abläufe im Werk.

Vor dem zweiten Weltkrieg, BMW hatte das Eisenacher Fahrzeugwerk übernommen, entwickelte sich die Produktion von Flugmotoren viel schneller als die von Fahrzeugen.

Im Versailler Vertrag war Deutschland die Luftrüstung untersagt worden, es gab eine fünfjährige Sperrfrist.
Die Reichswehr drängte schon bald darauf, wieder Flugmotoren in Deutschland zu produzieren.
Die von BMW weiterentwickelten Rapp-Flugmotoren waren an ihre technischen Grenzen gekommen.
Pratt & Whitney produzierte in den USA sehr erfolgreich Sternmotoren.
BMW erwarb die Lizenz für den P&W-Hornet-Motor und entwickelte ihn in München weiter.

Der Bedarf war groß, allein in einer Ju-52 waren bekanntlich drei Motoren verbaut.

1934 begann der Bau des Werkes nahe Stockhausen mit einem Prüfstand für 12 Motore.
Die Gebäude der ersten Ausbaustufe wurde in nur 10 Monaten errichtet.
Bis 1942 wurde das Werk in drei Ausbaustufen erweitert.
Neben der Produktion der Triebwerke wurden auch Motoren repariert, die von der Front kamen.

Tausende Flugmotore des Typs 132 wurden im BMW-Werk produziert.

Jeder Motor wurde vor Auslieferung einem 4-stündigen Prüflauf unterzogen.

Da das Werk "Dürrerhof" über keinen Bahnanschluss verfügte, verließen alle Triebwerke die Fabrik auf Lastkraftwagen.

Zum Motor gehörte das von Heinrich Leibach konstruierte Kommandogerät, man könnte es heute als mechanischen Bordcomputer bezeichnen.
Der Pilot eines Jägers hat normalerweise eine Vielzahl von Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, die nur den Motor betreffen: Zündzeitpunkt regulieren, Drosselklappenöffnung ändern, Einspritzmenge des Kraftstoffs regeln, Drehzahl regulieren, Gemisch ändern u.a.m..

Dabei musste er seine Umgebung beobachten, der Feind war schließlich auch in der Luft, und den sollte der Pilot noch mit seinen Bordwaffen bekämpfen.

Das Kommandogerät ermöglichte die Einhebelbedienung (=Gashebel) des Flugmotors und war für sich schon eine technische Meisterleistung.

1940 gab es 2.000 Beschäftigte, im Jahre 1945 waren es 5.000, darunter 60 % KZ-Häftlinge aus dem Außenlager "Emma" des Konzentrationslagers Buchenwald.

Trotz der hohen Anzahl an Arbeitskräften waren einige Prozesse wie Einkauf und Beschaffung und Teile der Verwaltung in München angesiedelt - die Produktion war verschlankt und hoch effizient.

BMW konnte die Motoren für einen relativ günstigen Stück-Preis verkaufen ( 15.000 RM ).

Es gibt in den Archiven leider nur wenige Fotos aus dem Werk, doch die wenigen zugänglichen Bilder zeigen lichtdurchflutete Produktionshallen, die nicht weit vom heutigen Standard entfernt wären.

Im Werk gab es viel Außengrün, Bäume, die deutlich älter sind als die Gebäude - es wurde mitten in den Wald hineingebaut, unter Schonung des vorhanden Baumbestands, sicher auch unter dem Aspekt der Tarnung.

Im Werk gab es zuletzt 11 Haupt- und 13 Nebengebäude.
3 Gebäude waren in Stahlgerippebauweise errichtet, 2 Gebäude in Zeiss-Dywidag-Schalenbauweise.

Die übrigen Gebäude in konventioneller Bauweise mit Ziegelsteinen errichtet.

Alle Gebäude waren massiv gebaut und vollunterkellert.
Teile der Unterkellerung dienten als Lagerflächen, andere als Luftschutzräume.

Ein Kraftwerk auf Braunkohle-Basis versorgte die Anlagen mit Elektroenergie und Fernwärme.
Die Elektroenergieerzeugung war mit dem Netz der Stadt verbunden, je nach Lage wurde Strom nach Eisenach geliefert bzw. von dort bezogen.
Die Rohrleitungen für die Wärmeversorgung der einzelnen Gebäude waren in begehbaren unterirdischen Schächte verlegt.

Das in einigen Quellen erwähnte Freibad im Werksgelände war ein betonierter Feuerlöschteich.

Der "Dürrerhof" war seinerzeit weltweit die modernste Produktionsstätte für Flugmotore.

Bei aller Begeisterung für die Technik darf nicht vergessen werden, dass hier keine Rasenmähermotoren sondern Antriebe für Kriegswaffen gebaut wurden.

Wir dürfen auch nicht die vielen KZ-Häftlinge vergessen, die hier für BMW geschuftet haben.

Dieser Thematik ist ein weiterer Vortrag in der Reihe "Treffpunkt O5" gewidmet, den Jessica Elsner am 30.10.2015 in der Ostkantine halten wird.

Es wäre schön, wenn auch dieser Vortrag viele interessierte Zuhörer bekommt.


Wer den Wind sät, wird den Sturm ernten.

Am 11.09.1944 flogen 71 B-17-Bomber der 8. USAAF einen Luftangriff auf Eisenach.
Auf das Ziel "Dürrerhof" wurden 807 250-kg-Fliegerbomben abgeworfen, 63 davon trafen das Werksgelände.

Trotz erheblicher Zerstörungen lief die Produktion auf vollen Touren weiter, es gab Auslagerungen in sichere Salzbergwerke.

Nach dem Kriegsende, bis 1947, wurden die Maschinen und Ausrüstungen im Zuge der Reparationsleistungen in die UdSSR verbracht und die Gebäude gesprengt.

Am Ende der Veranstaltung gab es viel Beifall für Eberhard Spee und jeder der über 60 Zuhörer, der an dem Abend dabei war kann sagen, ich habe den ersten umfassenden Beitrag über das Werk "Dürrerhof" gehört.


© Fotos: Ulrich Heidorn, Peter Husemann - Text: Peter Husemann   —» mehr...

Dipl.-Ing. Eberhard SpeeSchema  7-Zylinder-Doppelsternmotor  BMW 801BMW 132 -  luftgekühlter 9-Zylinder-Sternmotor
Kommandogerät 801Kommandogerät 801für diese komplexen Vorgänge ermöglichte das Kommandogerät 801 die EinhebelsteuerungDer Bomber Heinkel He 111 diente im Werksgelände AusbildungszweckenDas Jagdflugzeug Focke-Wulf  Fw190 (''Würger'') diente im Werksgelände für Ausbildungszwecke

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