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Fr 30.10.2015 18:00 - Treffpunkt O5 KZ-Häftlinge und Zwangsarbeit im BMW-Werk "Dürrerhof"
Der Einsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen im BMW Flugmotorenwerk Eisenach/Dürrerhof

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Januar 1933 begann im Deutschen Reich eine Zeit der Unterdrückung und Verfolgung von Andersdenkenden und Menschen, die aus rassistischen und sozialhygienischen Gründen nicht in die "Volksgemeinschaft" passten.

Der Erlass von neuen Gesetzen gab den neuen Machthabern den organisatorischen Rahmen der Unterdrückungspolitik, der die Regimegegner in Konzentrationslager brachte.

Bis zum Kriegsbeginn dienten diese Lager als Orte der "Generalprävention", im Verlauf es Krieges kamen dann jedoch immer mehr Menschengruppen in diese Haftstätten.
Mit dem Krieg gegen die Sowjetunion 1941 entstand ein Arbeitskräftemangel, den die Reichsregierung mit dem System der Zwangsarbeit wettmachen wollte.
Die bayerischen Motorenwerke bedienten sich, wie zahlreiche Großbetriebe im Deutschen Reich, dieser Arbeitskräfte.
In Eisenach setzte BMW diese Arbeiter seit 1941 ein.
Untergebracht waren sie in verschiedenen Barackenlagern, die sich vom Stadtwerk bis hinauf zum Dürrerhof zogen.
Die größten Lager bestanden am Schlachthof und am Stockrain.
Die eingesetzten Zwangsarbeiter entstammten aus den okkupierten Ländern Europas, wobei die Behandlung und Versorgung sich an den Herkunftsländern orientierte.

Doch mit andauern des Krieges konnten auch die eingesetzten Zwangsarbeiter den Bedarf an Arbeitskräften nicht decken, sodass sich die Reichsregierung nun auch dazu entschloss, das Arbeitskräftereservoir aus den KZ zu schöpfen.
Auf dem Dürrerhof wurde das KZ-Außenlager mit dem Decknamen "Emma" am 13.März 1944 mit 39 Häftlingen aus dem KZ "Allach" eröffnet. BMW bediente sich zu Beginn der Häftlinge, die aus dem hiesigen Lager "Allach" entstammten, weil diese dort ausschließlich für BMW im Flugmotorenwerk Allach arbeiteten.
Die Häftlinge wurden dafür speziell ausgebildet und angelernt. Bis zum Juni erreichten aus deinem Lager bis zu 700 Häftlinge die Wartburgstadt. Kleinere Transporte erfolgten in dieser Zeit auch aus dem KZ-Stammlager Buchenwald. Bis zur Auflösung des Lagers lag die durchschnittliche Belegstärke zwischen 300-500 Häftlingen.

Mit der Gründung eines weiteren Außenlagers für BMW Eisenach in Abteroda, nahm die Zahl der Häftlinge in Eisenach ab, da sie dorthin verlagert worden. Im Dürrerhof befanden sich vor allem "politische Russen" und daneben polnische, tschechische, jugoslawische, französische und holländische Häftlinge. Einen geringen Anteil hatten Deutsche und Österreicher sowie Ungarn.
Die Unterbringung der Häftlinge erfolgte auf dem Dürrerhof in der Werkshalle M1, zeitweilig nutze man auch das neue Prüfstandsgebäude.
Auf der ersten Etage der Werkshalle waren die Häftlinge untergebracht und arbeiteten dort auch in der Klein-und Ersatzteilproduktion für Flugmotoren.
Bewacht wurden die Häftlinge im KZ "Emma" von 15-20 SS-Angehörigen und 30 Luftwaffensoldaten.
Der Kommandoführer war Jans Andreas Janssen, der vorher schon im KZ Buchenwald bedienstet war.

Doch auch die Werksleitung mit Wilhelm Schaaf als kaufmännischem Leiter war maßgebliche an der Gründung und dem Betrieb dieses Außenlagers beteiligt, da er verschiedene Posten im Rüstungsministerium besaß.

Auch Max Fritz, der die Geschäfte der Flugmotorenfabrik in Eisenach seit 1937 leitete, protestierte nach einem gescheiterten Fluchtversuch von 4 Häftlingen im April 1944 lediglich gegen die Hängung der Geflohenen vor der versammelten Betriebsgemeinschaft, sodass die Häftlinge dann doch nur vor ihren Schicksalsgefährten ermordet wurden.

Am 9.Februar 1945 erlebte Eisenach seinen letzten Alliierten Luftangriff, in dessen Folge das KZ "Emma" am 16. Februar evakuiert wurde und alle noch inhaftierten 383 Häftlinge nach Buchenwald gebracht wurden.
Viele von ihnen kamen danach in weitere Lager, denn der Krieg endete erst gut zwei Monate später.

An den Einsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen im BMW Flugmotorenwerk auf dem Dürrerhof erinnert erst seit 2006 eine Gedenkstele am ehemaligen Eingang zum Werksgelände.
Jessica Elsner

Einige Nachbemerkungen zum Vortrag von Jessica Elsner:

Es war ein sehr engagierter Vortrag zu einem Thema, das leider von vielen über die Jahrzehnte verdrängt wurde.
Vier Wochen zuvor haben wir bei Eberhard Spee Vortrag Einblicke in das seinerzeit weltweit modernste Flugmotorenwerk erhalten.
Beim Anblick der wenigen Bilder aus dem Inneren des "Schattenwerks" konnte man ins Schwärmen: großzügige Hallen, schöne Gebäude, gepflegte Außenanlagen.

Nun ein Bericht über das wohl traurigste Kapitel dieser Fabrik vor unserer Haustür.

Etwa 150 Gäste der Veranstaltung haben den Vortrag gehört, viele waren ehrlich betroffen vom Blick hinter die schönen Kulissen.

Eine Stele erinnert am Rande des Geländes an die Opfer und alljährlich am Gedenktag der Befreiung des KZ Buchenwald bei Weimar wird ihrer gedacht.



© Text: Jessica Elsner, Peter Husemann - Fotos: Ulrich Heidorn   —» mehr...

Jessica Elsner und Wolfram Böhnhardtüber 150 Besucher in der Ostkantineein kleines Dankeschön für Jessica Elsner

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